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Wo sagte Otto von Bismarck „die ganze Nacht wach liegen, hassen“?

Wo sagte Otto von Bismarck „die ganze Nacht wach liegen, hassen“?

Ich versuche, eine Referenz für ein Zitat zu finden, das Otto von Bismarck zugeschrieben wird.

Von tagesspiegel.de: "Politik braucht mehr Prosa und weniger Poesie": "Wie enorm der Druck der auf ihm [Otto von Bismarck] lastete, gezeigt jenes morgendliche Geständnis, er habe die ganze Nacht wach gelegen und „nur gehasst“."

Englische Google-Übersetzung: "Wie sehr der Druck des Widerstands auf ihm [Otto von Bismarck] lastete, zeigte dieses morgendliche Geständnis, dass er die ganze Nacht wach gelegen und "einfach gehasst" habe."

Ich bin daran interessiert zu wissen, wo OvB diese "nur gehasste" Aussage gemacht hat.


Update 1

Dank der interessanten Antwort von @IndianaJenna enthüllt eine weitere Google Books-Suche nach dem Satz "Ich habe die ganze Nacht gehaßt" die folgenden Quellen

  • Erich Marcks, Männer und Zeiten: Aufsätze und Reden zur neueren Geschichte. Zweites Band, Seite 23.
  • Alois Atzler, Deutsche Geschichte Seit 1815 Bis Zur Gegenwart, Seite 131.
  • Fritz Richard Stern, Gold und Eisen: Bismarck und sein Bankier Bleichröder, die am Ende des Zitats auf Seite 279 einen Hinweis 58 enthält. Leider scheint der Zugriff auf das Literaturverzeichnis in der Vorschauversion von Google Books eingeschränkt zu sein.

Update 2

Unten ist die E-Mail, die ich von Prof. Ulrich Lappenküper, dem Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung, als Antwort auf eine von mir gesendete E-Mail erhalten habe (nach den Ratschlägen von @MarkJohnson in seinem Beitrag und @LangLangC in einem von seine Kommentare). Prof. Lappenküper hat sehr freundlich innerhalb weniger Stunden geantwortet.

[D]as fragliche Bismarck-Zitat wird in elektronischen und sonstigen Medien immer wieder und in unterschiedlichen Fassungen kolportiert, aber stets ohne Quellenangabe. Im Gegensatz zu manch anderen Bismarckiana gibt es aber eine seriöse Quelle: Christoph von Tiedemann, Persönliche Erinnerungen an den Fürsten Bismarck, Leipzig 1898, S.42. Tiedemann zitiert dort aus einem undatierten Gespräch mit Bismarck following Satz: „Ich habe nicht schlafen can, ich habe die ganze Nacht gehaßt“.

Mit freundlichen Grüßen (und beste Grüße nach Australien)
U. Lappenküper

Es scheint also, dass die Vermutung, dass Tiedemann die Quelle dieses Zitats ist, das von verschiedenen Befragten zu diesem Beitrag artikuliert wurde, richtig ist. Beachten Sie auch den Kommentar von Prof. Lappenküper, dass das Zitat Teil eines undatierten Gesprächs zwischen Tiedemann und Bismarck ist.


1) 1897

Die früheste Referenz, die ich finden konnte, ist Christoph von Tiedemann auf S. 42 von Persönliche Erinnerungen an den Fürsten Bismarck (S. Hirze, 1898, Link) basierend auf einem Vortrag von 1897:

"ich habe nicht schlafen können, ich habe die ganze Nacht gehasst", sagte er mir eines Morgens

Von Tiedemann kannte von Bismarck persönlich und verbrachte viel Zeit mit ihm. Die Information, wann von Bismarck das sagte, fehlt.

Diese Quelle wurde auch im Artikel erwähnt Bismarck Posthum auf P. 161 von Theodor Barths Die Nation (Band 16, 1899), in dem über das obige Buch (erschienen 6 Monate vor von Bismarcks Tod) gesprochen wird. Es enthält folgendes

Tiedemann selbst erzählt uns die hübsche Anekdote, wie Bismarck ihm eines Morgens sagt, er habe die ganze Nacht gehaßt, und wie er daran eine Apotheose des Hasses as fruchtbaren Elements, mindestens der gleichen Liebes, knüpft.

Hass ist so fruchtbar wie Liebe. Aber sie haben möglicherweise zwei verschiedene Gespräche verschmolzen. Von Tiedemann erwähnt von Bismarcks Meinung zu Liebe und Hass auf S. 5.


2) Einige spätere Quellen

Otto Pflanze auf S. 566 von Bismarck: Der Reichsgründer (II. Bismarcks-Charakter, 5. Buch: Das Reich aus Eisen und Blut), Google Books (deutsche Übersetzung, 2008):

"Ich habe nicht schlafen können, ich habe die ganze Nacht gehaßt", sagte er eines Morgens zu Tiedemann.

Bismarck litt an Schlaflosigkeit, was den Kontext für das Zitat lieferte. Von Tiedemann scheint die Quelle zu sein, z. g. Pflanze bezieht sich auf von Tiedemanns Buch von 1909 Sechs Jahre Chef der Reichskanzlei unter dem Fürsten Bismarck mehrmals.

Auf P. 64 von Georg Schwarzs Buch von 1941 Ernst Schweninger, Bismarcks Leibarzt (Link) enthält folgendes:

„Ich habe die ganze Nacht gehaßt“, antwortete Bismarck einmal, als er gefragt wurde, weshalb er nicht geschlafen habe.

Es ist nicht immer klar, welche Quellen der Autor verwendet hat (sie indexieren sogar nur die "wichtigsten Quellen" (Verzeichnis der wichtigsten gedruckten Quellen, S. 243-244)), aber sie erwähnen von Tiedemann im Absatz davor, so dass er wieder die Quelle zu sein scheint. Interessanterweise war eine der wichtigeren Quellen Erinnerungen an Bismarck. Aufzeichnungen von Mitarbeitern und Freunden des Fürsten, die möglicherweise mehr Licht auf das Problem werfen (siehe unten).

Nach einem anderen Text (S. 99, Fußnote 22) berichtete Ernst Schweninger, der Arzt von Bismarck, diese Behauptung:

Das entsprechende Zitat wird u.a. in der Form „Er habe ,die ganze Nacht gehaßt'“ von Bismarcks Arzt Ernst Schweninger überliefert (E. Schweninger: Blätter aus meiner Erinnerung. In: Erinnerun-gen an Bismarck. Aufzeichnungen von Mitarbeitern und Freunden des Fürsten [… ]. [Hrsg . v.] Erich Marcks u. Karl Alexander v. Müller 6. Aufl. Berlin/Leipzig 1924, S. 176-222; das betr. Zitat: S. 216).

Da habe ich meine Zweifel. Der Ausschnitt von S. 216 der Ausgabe von 1915 erwähnt Tiedemann wieder zuerst und leitet das Zitat dann folgendermaßen ein:

Als Bismarck einmal gefragt wurde, warum er nicht geschlafen habe, hat er das selbst bekanntlich kurz und bündig mit den Worten eingeräumt: Er habe "die ganze Nacht gehaßt".

Dies ist sehr allgemein gehalten und es gibt keinen Hinweis darauf, dass Schweninger die eigentliche Quelle ist. Es steht zufällig im Schweninger-Kapitel dieses Buches (die andere Erwähnung dieses Zitats auf S. 218 ist nicht klarer).

Laut Oswald Bumke (Gedanken über die Seele, Heidelberg 1948, S. 83, Fußnote 1, Link) berichtete die Familie:

Der Vater hat die ganze Nacht gehasst.

Die Quelle ist Graf Lerchenberg, Erinnerungen und Denkwürdigkeiten, Berlin 1935, S. 225.

Dank LangLangC habe ich Zugriff auf das gesamte Buch, nicht nur auf einen Ausschnitt. Etwas mehr Kontext aus dem oben erwähnten S. 225 von Graf Hugo Lerchenfeld-Köfering's Erinnerungen und Denkwürdigkeiten: 1843 bis 1925 (E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1935):

Durch Zorn gestörte Nächte hat der Fürst manche erlebt. Es genügt, dass ihm beim Zubettegehen etwas seinen Ärger Erregendes einfiel, selbst zeitlich weit zurückliegende Dinge. Die Familie sagte damals: "Der Vater hat die ganze Nacht gehasst."

Aus dem Kontext heraus scheint das Zitat dieses Mal verwendet zu werden, um von Bismarcks Zorn zu veranschaulichen (Zorn), keine Schlaflosigkeit. Keine Quelle angegeben (wenn 15) Lerchenfeld verweist auf Endnote 15 auf S. 437, darum geht es nicht.). Ich möchte hinzufügen, was von Lerchenfeld-Koefering auf S. 217, der Beginn des Bismarck-Kapitels:

Es ist nicht meine Absicht, in Konkurrenz mit Historikern vom Fach ein abgerundetes Lebensbild Bismarcks zu zeichnen. Das würde umfassende Vorstudien voraussetzen, zu denen mir an meinem Lebensabend keine sichere Zeit bleibt. Ich will nur versuchen, ganz einfach den Mann nach seiner äußeren Erscheinung, seinem Charakter, seinen Methoden und Lebensgewohnheiten zu schildern, genau so wie er in meiner Erinnerung steht.

Das Buch wurde 27 Jahre nach von Bismarcks Tod geschrieben. Es ist möglich, dass die Familie so etwas gesagt hat, es ist auch möglich, dass er sich daran falsch erinnert hat.


3) Inspiriert durch das Zitat

Gustav Stresemann zitierte auch gern Bismarcks Aussage, wie am 30. Mai 1924 in Berlin von Edgar Vincent, 1. Viscount D'Abernon in Kapitel II, S. 68 von Ein Botschafter des Friedens (PDF Herunterladen):

Er fuhr fort: "In anderen Ländern schafft die erfolgreiche Führung der Außenpolitik Vertrauen in den Minister. Hier erzeugt sie nur Neid. Von den Mitgliedern der alten Regierung werden nur diejenigen, die von den Nationalen bereitwillig aufgenommen werden, die, die die am wenigsten wichtig. Einer meiner alten Kollegen hat nie verstanden, was im Kabinett oder in seiner Abteilung vor sich ging - er ist derjenige, den sie bejubeln. Ereignisse wie diese, die jetzt stattfinden, machen einem klar, was Bismarck meinte, als er sagte: "Ich... habe die ganze Nacht gehasst.'"


Beachten Sie, dass diese Antwort geschrieben wurde, bevor "Update 2" in der Frage erschien.

Zusammenfassung

Es scheint eine Anekdote zu sein, die nur ein einziges Mal berichtet wurde, wie "er einmal sagte", von einer Quelle, undatiert. Es ist von einzigartiger Natur und wiederholt sich nicht. In dieser einzigen Quelle hat es keinen Bezug zu einem bestimmten Anlass und ist sogar mehrdeutig formuliert, möglicherweise sogar mit einer beabsichtigten humorvollen Wirkung.

Es scheint, als wäre es zuerst von Tiedemann in einer Rede im Jahr 1897 berichtet worden, und nach Bismarcks Tod scheint dies aus den Fugen geraten zu sein. Dass einige Bismarck als „Hasser“ bewunderten oder verachteten, sorgte in beiden Fällen für ein gut passendes „Zitat“. Aber Bismarcks eigene Worte - selbst wenn sie von Tiedemann richtig aufgezeichnet wurden - liefern nur sehr geringe Beweise für die Diagnose seines Charakters als "häufig schlaflos und beschäftigt die ganze Nacht zu hassen". Aber die einzige Quelle Tiedemann ist ohnehin nicht von unbegrenztem Wert, daher ist dieses Zitat mit einer gewissen Prise Salz zu lesen.


Seit Anfang des 20. Jahrhunderts macht dieses „Zitat“ die Runde.

Dies wurde ihm zugeschrieben,

  • verschiedentlich 'an seine Frau schreiben',
  • in sein eigenes Tagebuch,
  • "wenn sagte zu Tiedemann", und
  • als unbewiesene Anekdote bezweifelt.

Könnten wir zumindest einige davon an der wahren Quelle beweisen? Zum Beispiel in seinen Briefen und/oder den Memoiren Tiedemanns, die zum großen Teil online auf archive.org (Beispiel) sind. Obwohl meistens in Fraktur geschrieben und katastrophal OCRed.

Dass er dies in verschiedenen Formen gesagt haben mag, mag wahr sein. Aber eine andere mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass er es einfach so oft gesagt und selbst variiert hat. Und das dann in unterschiedlichen Quellen unterschiedlich und sogar akkurat aufgezeichnet. Aber das scheint nicht der Fall zu sein.

Wenn es in einer Form in seinen Tagebüchern steht, in einer anderen in einem Brief an seine Frau, in einer dritten in den Memoiren Tiedemanns, dann hätten wir drei Primärquellen, zwei von höchster Qualität.

Eine solche Quelle ist in der Tat

Dieses gescannte Bild zeigt, was Prof. M. Lappenküper von der Otto-von-Bismarck-Stiftung für die Hauptquelle hält. Es liest:

Bei aller Kraft und Erregbarkeit seiner Temperamente blieb doch ein kühler Realismus der Grundzug seiner Wesens. Er sah die Dinge wie sie wirklich sind, unbeeinflußt durch schwächliche Empfindsamkeit. Er mag die ganze Skala der Gemüthsbewegungen durchgemacht Haben und zwar mit der vollen Wucht seiner Persönlichkeit ("ich habe nicht schlafen können, ich habe die ganze Nacht gehaßt", sagte er mir eines Morgens) - ich glaube aber nicht dass er wahrhaft sentimental oder pathetisch geworden ist. Wie jede Phrase war ihm jede Pose verhaßt und Posiren würde er es genannt haben, hätte er eine weiche oder künstliche forcirte Stimmung zur Schau getragen.

Jetzt liegen alle jene Erinnerungen in nebelgrauer Ferne hinter mir. Die Bilder, die sich einst farbenprächtig dem Gedächtnisse eingeprägt, beginnen langsam zu verblassen[… ](S. 52)
- Christoph von Tiedemann: "Persönliche Erinnerungen an den Fürsten Bismarck. Vortrag gehalten in der historischen Gesellschaft für den Netze-Distrikt in Bromberg am 18. November 1897", S Hirzel: Leipzig. 1898. (S. 42)

Übersetzung: Bei aller Stärke und Erregbarkeit seines Temperaments blieb ein kühler Realismus das Hauptmerkmal seines Wesens. Er sah die Dinge so, wie sie wirklich sind, unbeeinflusst von schwacher Sensibilität. Vielleicht ist er mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit durch die ganze Bandbreite der Emotionen gegangen ("Ich konnte nicht schlafen, ich habe die ganze Nacht gehasst", sagte er mir eines Morgens) - aber ich glaube nicht, dass er jemals sentimental oder erbärmlich wurde. Wie jede Phrase hasste er jede Pose und hätte sie Posing genannt, wenn er eine weiche oder künstlich erzwungene Stimmung gezeigt hätte.

Das ist eine Tiedemann-Quelle, die Lappenküper für zuverlässig hält (seriös). Aber in derselben Broschüre gibt Tiedemann frei zu, dass es sich um eine vage und verblassende Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten handelt. Er hat ein Tagebuch geführt, aber er geht nicht auf das Datum oder die Gelegenheit für dieses Zitat ein. Nur "er wenn sagte es".
Zum Vergleich: In derselben Quelle geht Tiedemann auf einige anschauliche Details zu bestimmten Daten und Angelegenheiten ein. Der Kontext des „Zitats“ macht auch deutlich, dass Tiedemann aktiv an einer Legende nach seinem Geschmack strickt. Einschließlich Übertreibungen in Anekdoten.

Hinweis zur Übersetzung:

Ich habe nicht schlafen können, ich habe die ganze Nacht gehasst.
Ich konnte nicht schlafen, ich hasste die ganze Nacht.

Dies ist im Original mehrdeutig. Es könnte genauso gut bedeuten, dass er nicht schlafen konnte und (das weil er) war belebt hassen während der Nacht. Aber genauso, dass er in dieser Nacht nicht schlafen konnte und (deshalb) er gehasst der (schlaflose) gesamte Nacht selbst. Das heißt, es war nur eine schreckliche Nacht. Ohne weiteren Kontext scheint dies von der Quelle her unentscheidbar. Auch wenn die Lesart „Hass“ die passendere sein sollte, ist nicht auszuschließen, dass dies als Scherz gemeint war.

Genauer gesagt, Tiedemanns eigene und viel detailliertere Memoiren ("Aus sieben Jahrzehnte: Erinnerungen - Bd. 2: Sechs Jahre Chef der Reichskanzlei unter dem Fürsten Bismarck", S Hirzel: Leipzig, 1909) haben 487 Seiten, um diesen Satz zu präzisieren, scheitern jedoch das zu tun?

Ich habe die Tagebücher von Bismarck nicht überprüft. In Bismarcks Memoiren verwendet er 'gehaß' genau einmal, nicht bezogen auf seine Nächte, sondern die Haltung anderer Menschen beschreibend.

Soweit seine Briefe an seine Frau vollständig veröffentlicht sind in

  • Bismarckbriefe. 1844-1870. Originalbriefe Bismarcks an seine Gemahlin, seine Schwester und Andere. Bielefeld 1876.
  • Bismarckbriefe 1836-1872. 7. Auflage Bielefeld [u.a.] : Velhagen & Klasing, 1898
  • Fürst Bismarcks Briefe an seine Braut und Gattin. Hrsg. vom Fürsten Herbert von Bismarck. Cotta, Stuttgart 1900.

Eine flüchtige Lektüre offenbart mir dieses Zitat nicht, aber einige Beispiele von ihm nicht über Schlaflosigkeit klagen. Stattdessen finden wir Beispiele, die beschreiben, wie er „lang“ (Potsdam 14. Nov 1848) oder „11 Stunden…“ (im Urlaub) oder „nicht lange, aber gut“ (Petersburg 3. Mai 1873) schläft. Dass er immer (oder zumindest häufig) „die ganze Nacht gehasst“ hat und das mindestens einmal an seine Frau geschrieben hat, scheint nicht wahr zu sein. Während Höhen und Tiefen kommen und gehen, berichtet er von gelegentlichen Schlafschwierigkeiten und auch reichlich Schlaf im Laufe der Jahre.

Aber wenn Tiedemann in dieser eben zitierten Fassung die einzige Quelle für dieses 'Zitat' ist, dann kann man es mit Fug und Recht nennen: 'vielleicht ein wahrer Bericht eines persönlichen Zeugen' - und gleichzeitig eine sagenhafte Anekdote ohne weitere Verdienste über Bismarck selbst Zeit.

Als zeitgenössische Rezension dieser Arbeit bemerkt ohne alles ironie:

Aber wie viel inniger ist die Verbindung, in der Tiedemann mit Bismarck stand, und wie viel feiner und edler er die wechselnden Bilder von Bismarcks Tageswerk wiederzugeben weiß, wie er nach schlaflosen Nächten jammert und stöhnt, ungeheuer isst und trinkt, hinreißend plaudert Er fährt hoch wie ein Löwe, und kann dann wohl unnahbar und gefährlich werden, und doch immer wieder in seine 'echte Herrscher'-Stimmung der ausgeglichenen Spannung, wenn die Willenskraft zurückkehrt. Also ein wahrhaft heroischer Eindruck, denn die Wirkung des guten Heldenepos ist auch basierend auf der Tatsache, dass wir einen Helden haben nicht nur in seinem Haupt- und Staatshandeln, sondern auch in all seinen Geisteswissenschaften.
- Historische Zeitschrift, 3 / 7 / 103, 1909 (meine Übersetzung und Hervorhebung)

Eine andere Quelle, die Macht unabhängig von Tiedeman berichten könnten Ernst Schweninger: "Blätter aus meiner Erinnerung" in: Erich Marcks & Karl Alexander von Müller (Hrsg.): "Erinnerungen an Bismarck : Aufzeichnungen von Mitarbeitern u. Freunden des Fürsten, mit e. Anh. von Dokumenten u. Briefen ; In Verbindung mit A. v. Brauer / gesammelt von Erich Marcks; Karl Alexander von Müller", Deutsche Verlags Anstalt: Stuttgart, Berlin, 1915. (S. 177-222, bes. 216, 218). Aber diese späte Quelle unterscheidet sich merklich von dem, was Schweninger selbst schrieb: Ernst Schweninger: "Dem Andenken Bismarcks: Zum 1. April 1899", S. Hirzel: Leipzig, 1899. In der frühen Broschüre erwähnt Schweniger das gesuchte Zitat nicht. Umso wahrscheinlicher wäre es, dass er oder die Redaktion diese Erinnerung aktualisiert haben, möglicherweise wieder basierend auf Tiedemann.

Beantwortung der Titelfrage "Wo hat Otto von Bismarck gesagt, die ganze Nacht wach liegen, hassen?" mit Sicherheit kann man nur sagen: in der Erinnerung an Tiedemann. Wie zuverlässig dieser Zeuge in dieser Hinsicht sein könnte, bleibt umstritten. Wie sehr diese eine Quelle die Erinnerungen anderer Quellen, die nach ihm kamen, verunreinigte, ist ungewiss. Wir erfahren von Tiedemann nicht, bei welcher Gelegenheit dies geschehen sein könnte.


Bismarck ist sehr berühmt für seine Zitate, aber selbst die Otto-von-Bismarck-Stiftung hat keine vollständige Zusammenfassung davon (zumindest online).

Sie zu fragen wäre die beste Option für ein zuverlässiges Ergebnis, da seine Zitate oft außerhalb des ursprünglichen Kontextes verwendet werden.


Schau das Video: Kapitel 1 - Otto von Bismarck (Januar 2022).