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Wie lange dauerte eine Busfahrt von Coburg nach St. Petersburg in den 1790er Jahren?

Wie lange dauerte eine Busfahrt von Coburg nach St. Petersburg in den 1790er Jahren?

Wenn jemand in den 1790er Jahren von Coburg nach St. Petersburg fahren müsste? Würden sie mit der Postkutsche über Land fahren oder an die norddeutsche Küste hochfahren und mit einem Boot den Finnischen Meerbusen umrunden und so nach Russland einreisen?

Wenn sie mit dem Bus fahren würden, wie lange würde es dauern, um die 2.039 Kilometer zurückzulegen, um dorthin zu gelangen?

Angenommen, der Reisende war wohlhabend und ging zum Hof ​​von Katharina der Großen.


Das scheint eine Frage zu sein, wie Anna Fjodorowna 1795 von Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld in Bayern zum russischen Zaren kam?

In diesem Fall reiste sie einige Tage mit dem Bus über Land.

Eine neuartige Beschreibung dieser spezifischen Reise mit einigen Stationen findet sich bei Therese Bichsel: "Großfürstin Anna: Flucht vom Zarenhof in die Elfenau", Schwabe, 2013.

Sie begannen am 12. August 1795 und kamen zwei Monate später an.


Falls das obige konkrete Beispiel nicht ausreichen sollte:

Mit dem Boot aus dem Coburger Landesinneren zu fahren ist nicht sehr praktisch. Fast alle großen schiffbaren Flusssysteme führen nach Nordwesten und münden in die Nordsee. Eine Rundreise durch Dänemark würde sicherlich zu einer großen Verzögerung führen. Nur Oder und Weichsel sind auf dem Weg nach St. Petersburg und münden in die Ostsee. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, aber eine mit fragwürdigen Vorteilen. Beide Flüsse fügen einen großen Teil des natürlichen Flusses weg vom Ziel hinzu. Sie hätten auch mindestens einmal das Schiff wechseln müssen: Einsteigen auf ein Flussschiff, dann umsteigen auf seetüchtig.

Die theoretisch zu diesem Zeitpunkt maximale Reisegeschwindigkeit an Land würde per Postkutsche erreicht. Das Reisen mit der Postkutsche wurde im Hinblick auf Geschwindigkeit konzipiert. Die Etappen würden durchschnittlich 60 bis 70 Meilen an einem Tag betragen.

Mögliche Fortbewegungsmittel wären dann Reisebusse, etwa im Stil eines damals bequemen Berliners, eines Landauers oder was auch immer sich Geld leisten konnte, vielleicht sogar ein sehr repräsentativer Grand Carosse. sah damals wohl so aus:


- Friedrich Philipp Reinhold: "Drei Studien einer Reisekutsche"

Um 1806 benutzte Napoleons bessere Hälfte dies:

Zum Ideal Bedingungen in überwiegend deutschen Ländern, die bis zu 100 km pro Tag bedeutet hätten. (Klaus Beyrer: „Des Reisebeschreibens „Kutsche“. Aufklärerisches Bewusstsein im Postreiseverkehr des 18. Jahrhunderts“, in: Wolfgang Griep, Hans-Wolf Jäger (Hrsg.): „Reisen im 18. Jahrhundert“ Winter: Heidelberg, 1986.)

Dies würde die optimale Entfernung zwischen 1834 und 2400 km . ergeben

Klicken Sie auf die Karten für eine größere Ansicht

eine etwa 20-tägige Reise. Aber dieses Optimum konnte im Komfort nicht erreicht werden, mit Entourage (nur unbedingt notwendiges Gepäck erforderlich?), Besichtigungen, Umleitungen, Besuche, Umwege und Rabatte für die Mindestanzahl von 4 Grenzübergängen ausgeschlossen

und tatsächliche Straßenverhältnisse. Diese würden sich etwas verschlechtern, je weiter östlich die Reise kommt und an Optionen reduziert werden. Das heißt ziemlich früh auf der Reise, kurz nach der Überquerung der Elbe. Alleine das Hinzufügen von Etappen auf Großstädten, die für höherrangige Fahrgäste wahrscheinlich eine Voraussetzung wären, verlängert innerhalb des modernen Straßennetzes die Fahrt leicht auf weit mehr als 2600 km.

In den ersten zwei Dritteln der Reise würde das Festhalten an Poststraßen eine Reise in diese Richtung abbilden:

Die ersten Etappen wahrscheinlich auf einer Strecke von Coburg - Judenbach - Grefenthal - Saalfeld - Neustadt - Gera - Zeitz - Pegau - Leipzig setzen

Aber da dies eine Reise durch Länder mit eng verbundenen Vorfahren ist, wären Besuche bei Omas und Onkels wahrscheinlich?

Dann zu sowas

Ankunft im Russischen Reich:


Für eine Reiseroute "aufgezeichnete Stationen" von:
Coburg
- Leipzig (156 km von Coburg)
- Torgau (50 km)
- Frankfurt a.d. Oder (139 km)
- Küstrin/Kostrzyn nad Odrą (28 km)
- Landsberg/Gorzow Wielkopolski (43 km)
- Schneidemühl/Piła (112 km)
- Bromberg/Bydgoszcz (84 km)
- Kulm/Chełmno (38 km)
- Graudenz/Grudziądz (27km)
- Marienwerder/Kwidzyn (30 km)
- Braunsberg/Braniewo (93 km)
- Königsberg/Kaliningrad/Калининград (58 km)
- Tilsit/Sowetsk/Советск (97 km)
- Riga (250 km)
- Dorpat/Tartu (221 km)
- Sankt Petersburg (270 km)

Die resultierende Karte schlägt einen Rahmen von Reisestationen vor, der diesen Linien entspricht:

Das bedeutet, dass noch einige Haltestellen fehlen. Der erste Reisetag endete sehr wahrscheinlich nicht in Leipzig, sondern irgendwo auf dem Weg. Vor allem gegen Ende der Fahrt werden die Entfernungen zu groß. Zwischen Kwidzyn und Braniewo bietet sich zum Beispiel ein Zwischenstopp in Elbing/Elblag an. Aber zwischen Tartu und St. Petersburg ist die Distanz für einen Bus einfach zu groß, um das an einem Tag zu schaffen. Die obige Route wird nun auf modernen Straßen mit dem Auto auf mindestens 2028 km berechnet (1 Tag und 8 Stunden Nonstop-Fahrt)

Eine schöne Karte mit den historischen (deutschen) Namen in der Region Preußen, Polen, Litauen finden Sie in der bei ChrOnoAtLas erhältlichen Version von 1796 (Direktlink, unten SE auf 2 MB verkleinert).

Ein weiterer Halt vor Riga wäre wahrscheinlich Mitau, wie es sich in WikiBooks Baltische Länder zeigt: Von der Aufklärung bis zur Entstehung der Nationalstaaten, die zum Beispiel eine zweisprachige Karte für Kurland (Mehr Karten für Litauen) bereitstellen. Und wie Pieter Geerkens in Kommentaren anmerkte, wäre ein weiterer wahrscheinlicher Halt die damals aufstrebende Stadt Schaulen/Siauliai. Für die Kartierung der Route für die große Lücke in den Endstationen erscheint es in der Tat wahrscheinlich, dass die Route etwas näher an der Küste liegt.


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